Long Tail und Software: Daten zu den iPhone Apps
Eine Auswertung des Werbenetzwerks AdMob bringt ein wenig Licht in die Ökonomie der "Apps", kurz für "Applications", die für das iPhone verfügbar sind. Das ist interessant, weil sich hier eine neue Form von Software-Entwicklung und Interaktion mit Daten oder Anwendungen herauskristallisiert.
Die Kurzfassung lautet: Nur sehr wenige Angebote schaffen es, große Nutzerkreise zu erreichen. Spannend sind aber die Verteilungen, hier lohnt ein genauer Blick. Ein gutes Verständnis der Erfolgsaussichten sollte Teil der Strategie/Taktik für künftige Entwicklungsprojekte sein. Nicht nur beim iPhone, sondern auch in einer wachsenden Zahl anderer Bereiche: Facebook, Twitter, und so weiter.
Warum ist das interessant? Zum einen muss man anerkennen: Die Strategie, die Apple mit dem SDK zur Entwicklung von iPhone Apps fährt, sorgt bei den eigentlich etablierten Wettbewerbern von Nokia bis zu Palm für Verzweiflung. Ob man das iPhone nun mag oder nicht: Die Innovationskette, die Apple da in Gang gesetzt hat, ist mittlerweile schwer zu durchbrechen.
1. Innovatives Gerät, ideal für den mobilen Datenabruf, zusätzlich auch noch ein Telefon
2. Sehr gute (sehr eng auf Apple abgestimmte) Software
3. Zugkraft durch mittlerweile 50.000 Apps, die meisten davon kostenlos
Palm, Nokia und der Android-Plattform von Google bleibt eigentlich nur, das Ganze zu kopieren oder aber mit einem ähnlich überzeugenden Dreiklang anzutreten. Im Moment fällt da aber niemandem ein ähnlich schlüssiges Konzept ein. Daher wird sich dieses Modell kleiner Applikationen, über die man alle möglichen Dienste und Services abruft, erst einmal etablieren. Es hat ewig gedauert, jetzt aber schält sich ganz allmählich eine Perspektive heraus: Zunehmend werden wir mit Hilfe kleiner, mobiler Computer auf Datenservices zugreifen. Immer und überall. Was wir aktuell sehen, ist erst der Anfang.
Wie aber kann man aus Entwickler-Sicht von diesem Trend profitieren? Lassen sich zukünftig neben vielen Gimmicks auch betriebliche Abläufe auf mobile Geräte übertragen? Kann man Nutzern eines Unternehmens wichtige Kennzahlen auf diesem Weg zugänglich machen?
Eine der Antworten auf Basis der von AdMob veröffentlichten Zahlen lautet: Um einen wirklichen Treffer zu landen, muss man einen ganz spezifischen Bedarf abdecken. Jenseits der Standard-Anwendungen, die jeder nutzt öffnet sich jetzt jedoch ein recht weitläufiger Markt für Nischenprodukte.
Einschränkend muss man sagen: Die Daten von AdMob repräsentieren nur einen Teil des Gesamtangebots. Sie beruhen auf einer Auswertung von 15,1 Millionen iPhone und iPod touch Nutzern und exakt 2.039 Apps, die im AdMob-Werbenetzwerk vermarktet werden. Ausgewertet wurden die Daten für Mai 2009.
Ähnlich wie in anderen Netzwerken ergibt sich grob folgendes Bild: Rund fünf Prozent der iPhone Applikationen sind richtige Blockbuster, mit mehr als hundertausend Nutzern. Das sind dann die üblichen Verdächtigen. Nur 13 der über 2.000 ausgewerteten Apps hatten mehr als eine Million Nutzer, nur eine mehr als zwei Millionen. Wie schon oben gesagt: Mit der Vergleichbarkeit und dem Übertrag auf den gesamten iPhone Store muss man vorsichtig sein, ganz fern der Wahrheit wird die Auswertung aber wahrscheinlich nicht liegen.
Spannend wird es in der nächsten Gruppe: Hier öffnet sich ein Nischenmarkt für Applikationen. Am unteren Ende sind die vielen Anwendungen, die nicht mehr als etwa 1000 Nutzer vorweisen können. In diese Kategorie fallen 54 Prozent der in die Analyse einbezogenen iPhone Apps.
Zitat:
As expected the top several percentage of apps are the big winners, with hundreds of thousands of users in a given month. But there are still a significant percentage of apps with a strong base of users outside the blockbusters. As more and more iPhones and iPod touches are sold worldwide, usage of the medium and long tail of apps should increase. In fact it is some of these niche apps that appeal to a limited set of users that makes the iPhone such a personal device.
Hier zeigt sich ein Muster, dass auch in anderen Bereichen sichtbar wird und zum Teil an die Verlaufs- und Nutzerkurven im Musikmarkt erinnert. Das Gesamtbild ist das einer rasch abfallenden Kurve, die sich nach hinten allerdings sehr lang hinzieht. Das genau ist die von Chris Anderson formulierte "Long Tail" Theorie. Sie ist interessant für alle Nischenangebote, weil sich Vorhersagen über Verbreitung und Popularität neuer Softwareservices ableiten lassen.
Links:
AdMob Metrics
May 2009 Mobile Metrics Report
