The Cloud and Beyond
Wo stehen die Datencenter der Zukunft? Und wer managt sie? Der Trend zum "Cloud Computing" und die wachsende Bedeutung des Bereichs Data Warehousing bieten einen Weg zur Entwickllung neuer Strategien.
Die Bereitstellung immer größerer Serverkapazitäten ist für einzelne Unternehmen finanziell und organisatorisch aufwändig. Ganz anders sieht es bei Firmen wie Amazon oder Google aus, die heute bereits über eine große IT-Infrastruktur verfügen und jetzt nach Wegen suchen, um diese als Serviceprodukt zu vermarkten.
Ein neuer, dritter Typus ist bisher noch die Ausnahme: Firmen, die zwar Abläufe, Prozesse oder ein eigenes System betreiben, letzlich jedoch keine eigenen Kapazitäten für Speicher und Konnektivitätät vorhalten. Das klingt befremdlich. Im Grunde jedoch stehen hinter beiden Strategien weitgehend berechenbare Geschäftsmodelle - ähnlich der Überlegung, ob man das Geschäftsgebäude selbst baut und später besitzt oder eine Immobilie mietet. Beides kann sich rechnen, hängt aber vom Geschäftsmodell ab.
Zeit des Übergangs beginnt
Heute leisten sich viele Firmen noch eine eigene IT-Infrastruktur, den vielfachen Angeboten zum "Outsourcing" zum Trotz.
Was aber wäre, wenn sich jenseits von Google, Amazon und den wenigen anderen Mega-Firmen neue Firmen etablieren, die diesen Weg erfolgreich nutzen? Firmen, die sich ganz auf bestimmte Stärken konzentrieren und das frei gewordene Geld für Kommunikation, Vermarktung und Vertrieb einsetzen? Statt eigener Rechner wäre alles nur gemietet - von der Datenbank bis zur Leitung. Wie weit ließe sich die Profitabilität eines solchen Ansatzes nutzen? Welche Faktoren wären zusätzlich wichtig, um ein solches Modell tragfähig zu machen? Wie würde sich die Strategie und die Organisation verändern?
Amazon S3 als Option für IT-Verlagerung nach außen
Auf der Angebotsseite tut sich bereits einigs. Besonders viele Artikel erschienen 2007 zum Thema Amazon S3: Das Online-Handelshaus benötigt seine volle Serverkapazität nur im Weihnachtsgeschäft und kann daher Teile der Speicher- und Verbindungskapazitäten zu geringen Preisen vermieten.
Ein Angebot, dass angesichts niederiger Kosten von vielen kleineren und auch manchen größeren Firmen intensiv genutzt wird. Teils finden sich im Web bereits Berichte über neue Web-Services, die bis zu 30 Millionen Kunden pro Monat erreichen und dafür Beträge von unter 10.000 US-Dollar pro Monat an Amazon überweisen.
Wie sich dieser Trend weiter entwickeln wird? Reine Spekulation. Der CTO des Computerunternehmens Sun veröffentlichte dazu allerdings im November 2007 eine vielfach zitierte These, dass sich der Markt der Infrastrukturanbieter den Strukturen der heutigen Stromindustrie angleicht.
Zitat:
"That there will be, more or less, five hyperscale, pan-global broadband computing services giants. There will be lots of regional players, of course; mostly, they will exist to meet national needs. That is, the network computing services business will look a lot like the energy business: a half-dozen global giants."
Valide sind solche Überlegungen, wenn man dem Gedanken folgt, dass die Leistungen einer IT-Infrastruktur irgendwann standardisierte und genormte "Commodities" sind und ähnlich wie Gas, Wasser oder Strom von spezialisierten Dienstleistern bereit gestellt werden. In der Epoche der Industrialisierung hörten die Industriebetriebe irgendwann auf, ihren Energiebedarf selbst zu decken und kauften diese Leistung günstiger und zuverlässiger extern ein.
Eine ähnliche Entwicklung erwarten manche Beobachter auch im IT Bereich. Ein Argument lautet, dass die Komplexität der Leistung und der damit verbundene Kapitalaufwand irgendwann zur Formierung einiger weniger großer Anbieter führt - ähnlich wie auch in anderen Branchen, wie beispielsweise bei Flugzeugen, wo neben Boeing und Airbus nur relativ wenig kleinere Anbieter für Nischenangebote sorgen.
Offen ist, welche Geschäftsmodelle auf Nutzerseite funktionieren
Unklar ist allerdings, wann, wie und mit welchen Modellen der Übergang möglich wäre. Welche strategischen Folgen sich daraus für die Nutzer-Unternehmen ergeben, bleibt bei den bisherigen Überlegungen weitgehend offen. Würden diese nicht ohne eigene IT ständig Gefahr laufen, bei einem Ausfall der externen Datencenter vor leeren Schränken zu stehen? Oder könnte die Virtualisierung und eine ständige Dopplung der Datenbestände in verschiedenen Datencentern zu einer bisher nicht gekannten Agilität führen? Und zu einer letzlich höheren Datensicherheit und Service-Verlässlichkeit?
Speziell in Service- und Marketing-getriebenen Branchen sind solche recht radialen Modelle heute schon denkbar. Ein weltweit operierender Reise-Broker könnte so mit geringsten Mitteln wachsen, auch manche Finanzdienstleistungen könnten auf diesem Wege realisiert werden. Deutlich ferner scheinen solche Schritte allerdings für produzierende Anbietern, hier ist ein relativ rascher Übergang zu Schritt zu neuen Strukturen eher unwahrscheinlich. Es sei denn, es kommt in den Bereichen Beschaffung oder Logistik zu tiefgreifenden Innovationen.
"The Big Switch" - neues Buch von Nicolas Carr
Interessante Lektüre zum Thema bietet ein neues Buch des Briten Nicolas Carr. Er hatte vor knapp zwei Jahren mit "Does IT matter" die These aufgestellt, dass der verstärkte Einsatz der Informationstechnik nur geringe Vorteile im Wettbewerb bringe. Der neue Titel lautet: "The Big Switch". Einige der vollmundigen Vermarktungssprüche, die die Publikation begleiten ("verändert die Welt", etc.) kann man sicher getrost ignorieren.
Die Chance nutzen, um neue Modelle zu entwickeln
Was bleibt sind interessante und vor allem konkrete Möglichkeiten: Was wäre, wenn am Beispiel eines Mittelständlers oder eines anderen, mittleren Unternehmens einmal die Kosten sowie die Vor- und Nachteile eines solchen Umstiegs für die Dauer von fünf oder zehn Jahren hochgerechnet würden? Wie viel Kapital könnte man in anderen Bereichen - sei es in der Produktentwicklung, im Marketing oder im Kundenkontakt einsetzen, wenn die festen Gelder für Infrastruktur durch Miete deutlich geringer würden?
Links zum Thema:
Sun Blog: "THE WORLD NEEDS ONLY FIVE COMPUTERS"
http://blogs.sun.com/Gregp/entry/the_world_needs_only_five
Illuminata.com: The New Systems Company? (6. Juni 2007)
http://www.illuminata.com/perspectives/?p=321
News.com: Who will operate the cloud? (14. Januar 2007)
http://www.cnet.com/8301-13556_1-9849833-61.html?tag=nefd.only