Daten attraktiv präsentieren: Lesenswerte Analyse
Wie kann man Daten und Ergebnisse aus einerAnalyse optimal präsentieren? In einem Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Verhaltensökonomen Shlomo Benartzi (einem Finanzprofessor an der Universität Los Angeles - sic), geht geht es um dieses Thema. Kernthema: Die heutige Art der Portfolioübersicht sorgt beim Gros der Anleger für Demotivation und vernichtet Wert. Der Bezug zu Business Intelligence mag nicht sofort einleuchten, ist aber höchst interessant - denn bei den meisten Dashboards wird derselbe (falsche) Ansatz gewählt.
Wie die Form der Datenpräsentation das Verhalten beeinflusstWas hat das Verhalten von Anlegern mit der Art der Datenrepräsentation zu tun? Offenbar mehr als auf den ersten Blick ersichtlich ist: Nach Angaben in dem Interview schauen Anleger nahezu ausnahmslos zu oft auf ihr Vermögen - und bringen sich so um die Motivation Geld langfristig anzulegen.
Denn: An rund der Hälfte der Tage im Jahr fallen die Kurse an den Börsen, das wiederum bedeutet, dass der Anleger "rot" sieht. Diese Beobachtung der Wertwertentwicklung ist sicher wichtig, wirkt sich jedoch psychologisch sehr negativ aus. Wie durch eine "Lupe" (so der Professor) bekommt man immer wieder die Verluste vor Augen geführt. Das führt zu verfrühten Verkäufen, im schlimmsten Fall sogar zu einer völligen Abkehr von der Börse.
Langfristige Entwicklung sollte im Vordergrund stehen
Psychologisch wäre es besser, den Anlegern zuerst ihre Gewinne der letzten zehn Jahre, dann die des letzten Jahres und erst dann die tagesaktuellen Kursdaten zu präsentieren. Das nämlich würde nach Beobachtung der Verhaltensökonomen das Durchhaltevermögen beim Aufbau von Altersvorsorge deutlich stärken - und finanzmathematische Einflüsse wie "cost-averaging" und das Investieren über lange Zyklen besser nutzen.
Anwendung der Erkenntnisse für Business Intelligence interessant
Noch einmal die Frage: Was hat das mit Business Intelligence zu tun? Die Antwort ist eine Gegenfrage: Wo werden Erkenntnisse zur psychologischen Reaktion auf kurzfristige Daten heute bereits in der Präsentation von Analysen und in BI-Dashboards umgesetzt?
Der heutige Trend besteht darin, Manager mit endlosen Zahlenkolonnen zu fluten und ständig in eine Art Alarmbereitschafte zu versetzen. Das Leben wird so gefühlt durch Business Intelligence nicht besser, sondern einfach nur augeregter. Kleine Abweichungen der Bestände, sinkende Durchschnittswerte bei wichtigen Kennziffern - als das kann bei einem "falschen" Reporting-System die Arbeitsbelastung noch weiter verstärken.
Gegenentwurf: Fortschritte im Projekt sichtbar machen
Ein Gegenentwurf würde ganz andres aussehen: Schritt für Schritt würden dann im Rahmen eines Kosten- oder Vertriebsprojekts die Fortschritte über längere Zeiträume (Quartal, Halbjahr, Jahr). präsentiert. Zuerst würden hier naturgemäß kleine Fortschritte sichtbar, deren Wirkung und Umfang sich im Zeitablauf erhöhen kann.
Ebenso wie bei Aktienedepots würde es sicher auch eine tages- oder wochenaktuelle Sicht geben, diese würde aber nicht der erste, sondern einer der untergeordneten Screens sein. Ein Ansatz, der in vielen Business Intelligence Projekten für eine ganz andere Sicht sorgen könnte.
Richtig? Oder falsch? Kommentare sind (wie immer) willkommen.
Link zum Interview:
FAZ-Interview: "„Schauen Sie nicht zu, wenn die Kurse sinken“