Web 2.0 und die "first mover disadvantage"

Nach einer aktuellen Studie nutzen deutsche Unternehmen "Web-2.0"-Technik nicht effizient. Ein Einwand dazu: Vielleicht ist es auch Sicht größer Unternehmen (und ihrer Mitarbeiter) ganz klug, erst einmal abzuwarten, was nun wirklich funktioniert und welche der vielen neuen Arbeitstechniken tatsächlich allgemein akzeptiert wird.

Experimente ja, sinnvolle Nutzung nein. Das ist - sehr verkürzt - das Ergebnis einer Studie, bei der die Nutzung so genannter Web 2.0 Angebote in deutschen Unternehmen untersucht wurde. Dazu zählen nach Lesart der Studie unter anderem Wikis, Weblogs und andere innovative Anwendungen.

Erstellt wurde die Studie von Berlecon Research und Coremedia. Als Basis wurden 156 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern aus "wissensintensiven" Wirtschaftszweigen befragt. Die komplette Studie kann nach einer Registrierung kostenlos bei www.coremedia.com abgerufen werden

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 90 Prozent der Befragten gaben an, die Anforderungen an eine effiziente Zusammenarbeit seiten gestiegen.
  • Die Unterstützung durch die IT sei aber oft nicht ausreichend.
  • Als Web 2.0 Anwendungen wurden beispielsweise Wikis, Blogs oder Social Bookmarking definiert.

  • Weniger als 10 Prozent der Unternehmen setzen solche Tools bisher abteilungsübergreifend ein
  • Weniger als 5 Prozent der Unternehmen setzen die Tools unternehmensübergreifend ein
  • Die Qual der Wahl
    Unsere Sicht: Eine Einsatzrate von 10 Prozent ist schon recht hoch, wenn man beispielsweise die mathematisch-statistische Diffusionskurve für Innovationen als Grundlage nimmt. So gesehen haben die neuen Angebote die Frühphase (mit Nutzungsraten zwischen zwei und fünf Prozent) schon durchlaufen und werden nun bereits von der Gruppe der "Early Adopter" genutzt (meist fünf bis 12 Prozent). Erst nach diesem "Test" haben neue Technologien die Chance auf starkes Wachstum, weil sie die so genannte "frühe Mehrheit" erreichen. (Die Einteilung basiert auf einem berühmten Modell des Wissenschaftlers Everett M. Rogers.)

    Ein absehbarer Boom: Von den "frühen Verwendern" zur "frühen Mehrheit"
    Das jetzt eine (scheinbare) Verlangsamung eintritt, ist normal. Der Markt wartet auf den "Shake-Out". Das ist die Phase, in der sich die Spreu vom Weizen trennt und langfristig erfolgreiche Modelle sichtbar werden. Und eine Regel gillt vorerst weiter: Große Unternehmen kaufen ihre Software lieber bei anderen, gleichfalls großen Unternehmen als bei einem völlig neuen Anbieter.

    Warten auf den Shake-out
    Daher müssen aus den vielen kleinen, innovativen Anbietern erst einige große Firmen werden, bevor sich die neuen Technologien wirklich im Unternehmensalltag durchsetzen - so bitter das für manche der hoffnungsvoll gestarteten Projekte und ihre Macher auch sein mag.

    Und dieses Verhalten auf Nutzer-/Käuferseite ist durchaus rational - oft macht es in frühen Innovationsphasen nur wenig Sinn, zu sehr auf die Tube zu drücken. Am Ende sind diejenigen, die sich zu früh auf neue Technologien einlassen, diejenigen mit dem größten Aufwand. Das ist dann (noch ein Anglizismus, mit Augenzwinkern) die "First-Mover Disadvantage".

    Herausforderung: Richtigen Zeitpunkt abpassen
    Sicher werden Wikis und manche andere Formen der elektronischen Zusammenarbeit nicht wieder verschwinden. Bis sich jedoch ein klarer Nutzungspfad für Unternehmen herauskristallisiert, dauert es einfach noch etwas.

    Organisationen müssen jedoch weiter den Markt und das Angebot beobachten. Erste Erfahrungen sammeln. Kleinere Projekte mit Hilfe der neuen Tools umsetzen und den richtigen Zeitpunkt abzuschätzen, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen.

    Einigen Firmen kann es so gelingen, durch den Einsatz neuer Formen der Zusammenarbeit schneller und besser zu arbeiten. Mit den heute verfügbaren Tools lässt sich zeigen, wie das funktionieren könnte - der interne Aufwand für die Einführung solcher Strukturen braucht in großen Organisationen aber schlicht und einfach Zeit.

    Für alle, die sich orientieren wollen - hier eine kurze Liste von zehn interessanten Web 2.0-Angeboten (gleichfalls auf Basis eines Artikels in der "Computerwoche"), die Auswahl ist sehr gut getroffen und zeigt die Bandbreite und die Möglichkeiten der neuen Angebote.

    Link zur Quelle:
    Computerwoche: "Deutsche Unternehmen nutzen "Web-2.0"-Technik nicht effizient"

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