Wie wirkt sich Web 2.0 auf Business Intelligence aus?
Ob und wie genau aktuelle Trends im Internet für Unternehmen nutzbar sind - darüber kann man im Moment fleißig spekulieren. Sicher ist allerdings, dass relevante Daten künftig nicht nur in zentralen Systemen, sondern immer öfter auch in verteilten Anwendungen entstehen. Frage also: Was tun?
Dion Hinchcliffe, Autor beim US-Medienhaus ZDNet hat zum Thema einen (langen) Online-Artikel geschrieben. Und eine etwas übertriebene Kategorien- und Tag-Wolke davor gesetzt. Für alle, die die ganze Buzz-Words mal einem Fleck sehen wollen. Die aktuelle Problematik und Herausforderung für Unternehmens IT und Business Intelligence fasst er jedoch ziemlich gut zusammen.
Die Lage: Unübersichtlich
Aktuell sind viele der neuen Anwendungsformen noch in der Entwicklung oder Stückwerk. Der Diskurs fängt schon bei der Bezeichnung an: Ist Web 2.0 wirklich etwas Neues oder handelt es sich um eine verfrühte und irreführende Vermarktung einer normalen technologischen Evolution.
Das zweite Problem ist die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten und Funktionen. Ein wesentliches Merkmal ist die Nutzung des Gruppenprinzips (bei Open Source, Social Networking, etc).
Suche nach neuen Modellen läuft
Weil einige Angebote mit dem Label Web 2.0 rasch Millionen von Nutzern vorweisen können, stellt sich die Frage wie sehr sich die IT in den Unternehmen verändern muss, um interne und externe Kommunikation, Prozesse, Marketing und Vertrieb sinnvoll zu unterstützen. Auch hier ist vieles offen. Wie ein künftiger, vom Kunden akzeptierter und zugleich profitabler Verkaufsprozess aussieht, lässt sich bestenfalls erahnen. Sicher ist aber auch, dass irgendwann bald irgendein großer Anbieter in einer Branche ein Modell finden wird - und dann vielen Konkurrenten enteilen könnte. Das macht die Beschäftigung mit dem Thema "neues Web" relevant.
Kundenmitsprache wird wichtiger
Sicher ist, dass die Beteiligung der Kunden und die genauere Erfassung der Kundenwünsche eine sehr große Rolle spielt. Das ist jetzt schon spürbar, lässt sich mit vielen der heutigen Organisationsmodelle aber nur unbefriedigend umsetzen.
Zugleich müssen Unternehmen, die etwas verkaufen wollen, mit großer Sensibilität vorzugehen, weil eine übermäßige und vor allem eine intransparente Speicherung von Daten bei Kunden abgelehnt wird.
Business Intelligence mit neuen Zielen
Ein visuelles Modell
Bei Sortieren und Bewerten der verschiedenen IT-Themen hilft es, zuerst einmal die Grundströmungen zu identifizieren: Was verändert sich? Warum und wie betrifft die IT-Struktur eines Unternehmens?
Recht interessant ist die Grafik, die Hinchcliffe entwickelt hat, um all die verschiedenen Strömungen und Richtungen auf einen Nenner zu bringen. Er selbst hat das ganze vorsichtig als "An Updated View of Web 2.0 in the Enterprise, circa Mid-2007" bezeichnet. Verfallsdatum gleich eingebaut. Trotzdem hilfreich, ansehen lohnt.
Business Intelligence muss flexibler und "smarter" werden
Einen Schluss kann man jetzt schon ableiten: Business Intelligence Systeme und Information Warehouse Lösungen müssen flexibler werden, damit sie einen Beitrag zur Gewinnung von Übersicht liefern. Künftige Systeme müssen zuerst einmal punktuell den Fokus stärker auf künftige Kundenwünsche verlagern. Nach dem bereits weitgehend vollzogenen Wechsel zur Echtzeit-Analyse vorhandener Daten müssen jetzt Modelle gefunden werden, um aus dem aktuellen Bestand die künftigen Wünsche und Ansprüche der Kunden zu ermitteln.
Ein Gedankenanstoß: Von Web 2.0 zu Finanzberatung 2.0 - warum nicht?
Das klingt sehr abstrakt, ist aber in der Realität nicht so komplex wie es klingt. Ein gutes Beispiel ist die Beratung für die Altersvorsorge. Viele heutige Systeme sind zwar gut darin, Zins und Zinses-Zins-Kurven von Anlageformen darzustellen, sind aber nur zum Teil auf die konkreten Daten der Kunden einstellbar. Warum ist es nicht möglich, solche Berechnungsprogramme deutlich stärker als bisher als personalisierte Anwendungen zur Verfügung zu stellen und dann gemeinsam Lösungen für den Kunden zu erarbeiten? Die Unternehmen, die sich nur nur als persönliche, sondern auch als "digitale" Berater ihrer Kunden hervortun, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv wahrgenommen. Mögliche Vorteile wären eine deutliche Zeitersparnis für beide Seiten und eine verbesserte Übersicht für den Kunden.
Anmerkungen oder auch Kritik zu diesem Text? Gern, die Diskussion fängt gerade erst an.